„Wir können dem Leben nicht mehr Tage schenken, aber dem Tag mehr Leben.“
Dieser Leitsatz des Hospizes Sternenbrücke begleitete die Schülerinnen und Schüler der Ethikgruppe 8abe als Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben, Begleiten und Menschlichkeit.
Im Rahmen des Schuljahresmottos „Lichtblicke“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe in einem offenen Projektformat mit der Frage auseinander, wie unterschiedliche Perspektiven auf Krankheit, Abschied und Hoffnung gestaltet werden können. Dabei standen vier Themen zur Auswahl: die Bedeutung pflegerischer Berufe im Umgang mit schweren Lebenssituationen, persönliche „Lichtblicke“ in schwierigen Momenten durch Interviews mit vertrauten Personen, die kreative Gestaltung von Hoffnung und Trost in Form einer Collage sowie das Sammeln und Gestalten kleiner Lichtblicke in einer individuell befüllten „Lichtblicke-Box“.
Fünf Schülerinnen der Klassen 8a und 8e – Alina, Ekin, Zehra, Milana und Liya – entschieden sich für das Interviewprojekt und nahmen Kontakt mit Herrn Ortner, dem Leiter des Elisabeth Hospizes Ingolstadt, auf. Dieser erklärte sich bereits beim ersten Gespräch ohne Zögern bereit, das Vorhaben zu unterstützen, und begegnete dem Projekt von Beginn an mit großer Offenheit und spürbarer Wertschätzung. Das Interview fand am 24.03. um 14:00 Uhr in der Freizeit der Schülerinnen statt und ermöglichte einen besonders eindrücklichen Einblick in die hospizliche Arbeit.
Im Unterricht hatten sich die Schülerinnen zuvor bereits intensiv mit der Arbeit von Hospizen auseinandergesetzt, unter anderem anhand des Hospizes Sternenbrücke. Dadurch konnten sie sowohl fachlich als auch emotional gut vorbereitet in das Gespräch gehen.
Im Austausch mit Herrn Ortner wurde die Vielschichtigkeit und Sensibilität der Hospizarbeit besonders deutlich. Auf die Frage nach seiner persönlichen Motivation berichtete er von seinem beruflichen Werdegang: Vor seiner Tätigkeit im Hospiz arbeitete er als Pflegekraft in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung. Diese Zeit sei häufig von belastenden Erfahrungen geprägt gewesen, in denen der Umgang mit Patientinnen und Patienten auch durch Konflikte, Ablehnung und notwendige Zwangsmaßnahmen wie Fixierungen bestimmt war. Im Kontrast dazu beschreibt er die Hospizarbeit als einen Ort der begleiteten Würde und menschlichen Nähe. Besonders betonte er dabei den bewussten sprachlichen Unterschied: Im Hospiz werde nicht von „Patienten“, sondern von „Gästen“ gesprochen – ein Begriff, der die Haltung und das Selbstverständnis der Einrichtung widerspiegele.
Auch strukturelle Aspekte der Arbeit kamen zur Sprache, etwa die durchschnittliche Verweildauer der Gäste sowie die aktuelle Belegung von 13 Betten. Darüber hinaus schilderte Herr Ortner prägende Erfahrungen aus seinem Berufsalltag. Besonders eindrücklich blieb ihm die Begleitung eines Ehepaares in Erinnerung, bei der der Ehemann das Zimmer seiner Frau mit persönlichen Urlaubsbildern gestaltete und sie bis zu ihrem letzten Tag liebevoll begleitete. Ein Jahr nach ihrem Tod kehrte er noch einmal ins Hospiz zurück, um bewusst Abschied zu nehmen und diesen Lebensabschnitt zu verarbeiten – eine Begegnung, die die intensive menschliche Tiefe dieser Arbeit sichtbar macht.
Neben solchen berührenden Momenten sprach Herr Ortner auch über belastende Erfahrungen, insbesondere Situationen, in denen Gäste keine familiären oder sozialen Bindungen mehr haben oder bewusst keinen Kontakt zu Angehörigen wünschen – etwa aufgrund schwerwiegender biografischer Belastungen wie Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen. Gerade in solchen Fällen übernimmt das Hospiz eine zentrale Rolle als geschützter Raum, der Halt und Begleitung ermöglicht.
Im weiteren Gespräch rückten auch die kleinen, oft unscheinbaren Lichtblicke des Alltags in den Fokus. Dazu zählen individuell erfüllte Wünsche der Gäste ebenso wie persönliche Gesten der Zuwendung. Eine besondere Bedeutung hat zudem der Garten des Hospizes: Dort gestalten Angehörige bemalte Steine für verstorbene Menschen und schaffen so sichtbare Zeichen des Gedenkens und der Verbundenheit.
Herr Ortner hob darüber hinaus die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements hervor – sowohl in der direkten Begleitung als auch in der Unterstützung der Einrichtung, etwa bei der Pflege des Gartens. Ebenso verwies er auf Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Trauerbegleitung im Hospizverein Ingolstadt und betonte die Vielseitigkeit sowie den hohen gesellschaftlichen Wert pflegerischer Berufe.
Abschließend machte er deutlich, wie wichtig es sei, junge Menschen behutsam an das Thema Abschied und Sterben heranzuführen. Der Tod gehöre untrennbar zum Leben; entscheidend sei, in welcher Form Menschen in dieser letzten Lebensphase begleitet werden und welche Menschlichkeit ihnen dabei begegnet.
Das Interview verdeutlichte eindrucksvoll, wie sehr hospizliche und pflegerische Arbeit dazu beitragen kann, auch in schweren Lebensphasen „Lichtblicke“ zu eröffnen – durch Würde, Nähe und authentische menschliche Begegnung.
Merle Nykiel
(Ethik-Lehrerin)





